And we have nice 1°C in Munich

Sonntag, 09.02.2014

Meine Stimmung war im Keller, naja wohl eher schon irgendwo beim Erdkern unten, aber meine Zeit in Südafrika war nun einmal um. Die letzten Tage schon war ich immer hin und hergerissen, natürlich freute ich mich darauf wieder alle zu sehen und ich vermisste auch vieles aus Deutschland, aber ich hatte mich mittlerweile eingelebt, neue Freunde gefunden und den südafrikanischen Lebensstil zu schätzen gelernt. Ich hatte mich in das unglaublich schöne Land verliebt und war irgendwie auch noch nicht bereit, das alles hinter mir zu lassen.

Vieles hatte sich in der Zwischenzeit für mich verändert; ...ich hatte mich verändert. Noch nie ist es mir so schwer gefallen zu gehen.

Ich hatte mich bereits am Morgen von meinen Mitbewohnern verabschiedet, da sie entweder zu ihren Projekten aufbrechen mussten, oder ihren freien Tag nutzten wollten und Ausflüge machten. So war ich bis Mittag mehr oder weniger allein im Haus und ging fast die Wände hoch.

Um 13:00 Uhr stand mein Fahrer vor der Tür und wieder begann meine Reise. Ich sprach während der Fahrt kein Wort und starrte aus dem Fenster und nahm die letzten Bilder von Sommerset West und dem Meer in mich auf.

Der Fahrer ließ mich vor dem Flughafengebäude raus und wünschte mir eine gute Reise und sagte, ich solle Südafrika nicht vergessen. "I won`t", war alles was ich noch herausbrachte, bevor ich mich bei ihm bedankte und die Flughafenhalle betrat.

Der Flughafenin Kapstadt ist nicht besonders groß und so war das Einchecken relativ schnell erledigt, obwohl ich wieder extra herumlaufen musste, weil der Rucksack ja wieder Sperrgepäck war. Ich hatte noch reichlich Zeit und so schlenderte ich noch ein wenig herum und ging durch ein paar Läden. Bisher hatte ich auch nur gefrühstückt, da ich am Morgen den Kühlschrank ausgeräumt hatte und die wenigen Lebensmittel die noch übrig waren an meine Mitbewohner vermacht hatte. Und so machte ich mich zu einem der unzähligen Fastfoodrestaurants auf und entschied mich schließlich für einen (ich hatte die ganzen Fastfoodketten vorher noch nie gesehen). Ich bestellte ein Menü und bekam so ein komisches viereckiges Ding in die Hand gedrückt, das regelmäßig rot blinkte... Also setzte ich mich hin und wartete. Plötzlich begann dieses Ding zu vibrieren und blinkte überall hektisch auf. Ich hatte erst mal den Schock meines Lebens, ich dachte es explodiert gleich. Vorsichtig nahm ich das Gerät und ging zurück zur Theke, da das ja anscheinend das Signal war, dass mein Essen fertig war...

Danach ging ich zur Sicherheitskontrolle und suchte mein Gate, bis zum Boarding hatte ich noch über eine Stunde und so legte ich mich quer auf eine Bank, benutzte meine tasche als Kopfkissen und schlief eine Runde.

Als mein Flug zum Boarding ausgerufen wurde, war meine Stimmung nich gestiegen und so trottete ich zum Schalter. Es war tatsächlich das erste Mal, dass ich mich nicht aufs Fliegen freute.

Ich fand schnell meinen Platz im Flugzeug und wartete. Ein Mann setzte sich neben mich und ich brachte ein gequältes "Hi" zustande. Er sah mich an und meinte mit seinem südafrikanischen Englisch, an das ich mich mittlerweile so gewöhnt hatte und teilweise selbst anwendete: "Sie haben gehofft allein zu sein". Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. "Nein, schon ok, ich wünschte nur ich müsste nicht jetzt schon zurück". Danach drehte ich mich wieder zum Fenster und starrte schweigend nach draußen.

Gut ich gebs zu, ich habe das Kribbeln im Bauch, dass ich beim Start immer verspüre trotzdem genossen, fliegen ist halt doch cool... Der Flug war relativ ereignislos, das Übliche halt und so landete ich am Abend in Johannesburg, wo ich weitere drei Stunden Aufenthalt hatte.

Erst mal wieder zur Kontrolle... Der Typ am Schalter fragte mich: "Why do you leave South Africa" "Because I have to" Er erklärte mir dann, dass ich mein Visum gerne verlängern könne, was ich leider ablehnen musste. "Was haben Sie in Südafrika gemacht?" Mist, die Frage schon wieder, ich darf ja nicht sagen, dass ich zum Arbeiten da war. "Ich habe Freunde besucht" "Also werden Sie sicher mal wieder herkommen", lächelndgibt er mir meinen Pass zurück "Ja vielleicht, eines Tages"...

Im Gegensatz zu Capetown International Airport ist der Flughafen in Johannesburg riesig und so lief ich erst einmal eine Viertelstunde, bis ich den Transitbereich erreichte. Zum Glück musste ich dieses Mal mein Gepäck nicht zum Re-check in bringen. Der ganze Transitbereich ist mega verwinkelt und man muss an allen Geschäften vorbei, immer im Zick-zack, was unglaublich Zeit kostet, also nichts für Leute die spät dran sind. Da ich noch genug Aufenthalt hatte klapperte ich gefühlte 20 Souvenierläden ab, vor allem, da ich ja noch so viel Rand in der Tasche hatte. In einem Laden wurde ich dann sogar fast das ganze Kleingeld los, weil der Verkäufer mich fragte, ob ich ihm Münzen gegen einen Zwanziger wechseln könne.

Dennoch war ich immer noch zu früh am Gate und kaufte mir noch eine Cola. Eine Viertelstunde vor Boardng kamen dann so komische Leute in Uniform und meinten, dass alle Passagiere meines Fluges noch einmal in die Passkontrolle müssten. Auch wenn sie es nicht direkt sagten, sprach ein anderer Passagier aus, was alle dachten: Terrorverdacht. dann wurde jeder Pass auf Echtheit geprüft und gescannt. Sehr beruhigend, in einem Flugzeug zu fliegen, in dem jemand sein könnte, der von den Behörden gesucht wird.

Schließlich war es so weit, mein 10 1/2 Stunden Flug nach München erwartete mich. Wieder war ich uerst an meinem Platz, dieses Mal kam ein alter Mann, ich weiß nicht, ob das an meiner düsteren Ausstrahlung lag, aber er meinte gleich: "Da vorne ist glaube ich auch noch ein Platz frei, ich gehe dorthin, dann haben Sie mehr Platz" Oook, ich hab gar nichts gemacht, ehrlich! Aber über mehr Platz beschwere ich mich natürlich auch nicht... Eine ganze Reihe im Flugzeug für mich alleine!

Trotzdem hatte ich definitiv keinen angenehmen Flug, ich war schon froh dieses mal nicht wegen technischen Problemen festzustecken, aber zu früh gefreut:

Der Flieger war gerade über Zimbabwe, das Abendessen wurde serviert, als eine Durchsage kam. Keine Ahnung was gesagt wurde, die Soundqualität der Lautsprecher war gigantisch und ich hörte auch nicht wirklich hin, da ich viel zu sehr in Gedanken war. Kaum war die Durchsage vorbei schaute mich der Typ auf der anderen Seite des Gangs mich schockiert an und fragte mich, ob ich draußen die blitze sehen könne. Blitze?!?!?! Wir sind doch jetzt nicht ernsthaft in einem Gewitter? Wie zur Bestätigung fuhr ein gewaltiger Ruck durch das Flugzeug und der Inhalt meines Bechers machte einen Ausflug auf meinen Tisch. Ich schaute raus und sah tatsächlich Blitze... na super. Es dauerte nicht lang und die Anschnallzeichen leuchteten auf. und dann gings die ganze Nacht so richtig ab, es gab doch tatsächlich Leute die da schlafen konnten! Ich legte mich als es ein bischen ruhiger wurde quer über die Sitze und versuchte mein Glück, aber schon gingen die verdammten Anschnallzeichen wieder an und der ganze Spaß begann von vorne... Irgendwann öffnete ich die Fensterklappe und warf einen Blick nach draußen; ein großer Fehler... im Flugzeug selber nahm man nur die Luftlöcher war, jetzt konnte ich anhand der Flügel sehen, dass die Maschiene extrem schwankte und ganz schön zu kämpfen hatte. Also macht ich meine Fensterbedeckung wieder runter und entdeckte, das Unterhaltungsprogramm für mich (seit wann kann man denn im Flugzeug Computerspiele zocken?!?!). Irgendwann wurde mir das aber auch zu langweilig... Wenig überraschend machte ich die Nacht wieder durch, es war auch das erste Mal, dass ich Angst hatte nicht am Ziel anzukommen, aber über Europa war der Flug zwar immer noch turbulent, aber weit ruhiger.

Über die Landung war ich dann schon sehr dankbar. Der Pilot gab durch den Lautsprecher durch, dass wir draußen "nice one degree" hätten... am liebsten hätte ich ihn erwürgt: nice?!?!?! was ist an 1°C bitte nice?!?!?!?! Ich hatte ja nicht mal eine Winterjacke...