Ein schwieriges Encounter...

Mittwoch, 29.01.2014

Meine Backhandler-Prüfung heute, war das letzte Encounter des Tages und nicht gerade leicht. Für die Prüfung muss man ja nehmen was man bekommt und kann sich das ganze ja nicht aussuchen, da man ja später auch mit allem klar kommen muss. Ich hatte ein bischen Pech,d da ich zwei Erwachsene mit einem kleinen Kind hatte.

Kinder sind natürlich immer so eine Sache, da sie häufig im Encounter plötzlich Angst vor dem Geparden bekommen, oder ganz im Gegenteil keine Angst haben und dem Geparden zu nahe kommen. Oftmals schreien Kinder dann auch rum oder rennen plötzlich los; nicht gerade die beste Idee bei einer Raubkatze.

Ich sagte also den Eltern, während ich sie zum Gehege brachte, dass sie die ganze Zeit über die Hand des Kindes festhalten sollen, da Kinder meist überreagieren, wenn die Katze sich schlagartig umdreht und losrennen. Das Festhalten sollte verhindern, dass das Kind weit kommt oder noch schlimmer, vor die Katze rennt. Außerdem sagte ich ihnen, dass das Mädchen neben dem Handler sitzen würde.

Zu meinem Pech hatte ich auch noch unseren Geparden Enigma, der bei Encountern am schwierigsten war, da er ab und zu plötzlich entschied, dass er jetzt keine Lust hat und dann schon mal dem Backhandler eine krallt oder die Besucher anfaucht. Tolle Aussichten...

Und dann machte ich erst mal alles so wie ichs gelernt habe. Am Tor angekommen suchte ich Blickkontakt mit dem Handler und wartete auf das Zeichen. Dann öffnete ich die Tür und ließ die Besucher direkt am Zaun daneben warten, bis ich das Tor wieder geschlossen hatte. Während ich auf das Startzeichen des Handlers gewartet hatte, hatte ich Zeit, die Situatoon zu analysieren: wo liegt der Gepard und in welche Richtung schaut er. Dadurch konnte ich den Laufweg planen.mIch führte die Gruppe in einem Halbkreis von hinten an Enigma ran.

Der nächste Schritt war das Platzieren, bei dem man auch wieder einiges beachten muss. Die Besucher müssen sich hinter den Gepard knien, so wie es ihnen bei der Sicherheitseinweisung gezeigt wurde: ein Knie am Boden, eines oben, damit sie jeder Zeit schnellaufstehen können um dem Geparden Platz zu machen, wenn er herum rollt oder aufsteht. Die Besucher durften <richtig nahe ran, so dass sie bequem streicheln konnten ohne den Arm zu strecken, aber ich musste darauf achten, dass das zappelnde Kind nicht die Katze mit den Füßen erwischte. Da das Mädchen sich nicht hinkniete sagte ich der Mutter, dass es sich auf ihr Knie setzten könne. Somit hatte die Mutter auch einen Arm um das Kind. Erste Hürde geschafft.

Bisher hatte ich im Training immer jemanden dabei, der Fotos gemacht hat. In der Prüfung ist man auf sich allein gestellt und muss alles selber machen. Der schwierige Teil ist also, dass man den Platz neben den Besuchern verlassen muss um vor die Katze zu gehen und Fotos zu machen. In dieser Zeit hat man kaum die Möglichkeit einzugreifen, wenn etwas passiert. Solange ich neben der Gruppe bin kann ich dazwischen gehen, wenn der Gepard herumrollt und notfalls die Leute mit Gewalt zurückzerren, wenn sie nicht auf meine Anweisung, aufzustehen und zurückzuweichen reagieren und so Gefahrensituationen schneller entschärfen. Solange ich vorne stehe und Fotos mache, brauche ich einen Moment bis ich bei den Leuten bin und muss mich darauf verlassen können, dass sie, bis ich bei ihnen bin, tun was ich sage; ich kann schließlich schlecht über den Geparden hinweg hüpfen.

Während dem Encounter muss man den Leuten dann auch noch Informationen geben, also volles Multitasking: Leute im Auge behalten, Katze beobachten, Fotos machen und reden - gleichzeitig. Ich war also vor Enigma, als das Kind sich dazu entschied panische Angst vor dem Geparden zu bekommen. So schnell ich konnte war ich wieder neben der Gruppe und versuchte alle zu beruhigen. Das Kind begann zu schreien und zappelte rum. Ich fragte die Gruppe ob sie das Gehege verlassen wolle und dass ich sie jeder Zeit rausbringen würde. Die Elltern meinten nur: "Ach das ist schon ok" Grrr super, ich schielte immer wieder zu Enigma, doch der zeigte glücklicherweise keine Reaktion, ganz im Gegenteil zur Handlerin, die sich immer mehr darauf konzentrierte die Katze notfalls zurück zu halten. Das Kind beruhigte sich nicht mehr, ich war voll und ganz damit beschäftigt, die Leute in Position zu halten (das kind versuchte sich immer wieder loszureißen... warum machen Eltern so was, wenn sie doch sehen, dass das nichts wird) und nebenbei noch ein paar Sätze zu sagen. Immer wieder fragte ich die Eltern eindringlich "Should I take you outside?!". Ich war heilfroh, als ich die Gruppe mit dem immer noch schreienden Kind endlich rausführen konnte. Es gibt eine ungefähre Encounterzeit, die je nach Situation auch kürzer ausfallen kann, dieses Encounter war relativ kurz, da mir die Situation zu gefährlich wurde, aber ich denke, die Handlerin hätte früher oder später ohnehin gesagt, dass die Gruppe raus muss.

Wenn man keine Fotographen dabei hat ist auch das nicht so einfach, da ich immer hinter der Gruppe und somit zwischen Besuchern und Gepard bleiben muss. Wenn man also niemanden hat, der voraus läuft, muss man die Leute immer regelrecht vor sich her treiben, da sie immer auf einen warten. Zur Sicherheit gehört auch, dass der Backhandler sich immer regelmäßig umdreht um die Katze im Blick zu haben, nicht dass der Gepard plötzlich angerannt kommt.

Ich brachte die Gruppe zurück zur Briefing Area und ging dann wieder in Enigmas Gehege, wo die Handlerin und Yogi, der Prüfer, der sich die ganze Zeit im Hintergrund gehalten hatte, auf mich warteten. Das das Encounter eine Katastrophe war wusste ich selber, ich ging also davon aus dass ich durchgefallen war...

Als ich die beiden erreichte sagte ich nur: "Tut mir leid, das war ziemlich chaotisch"

Yogi meinte dann nur: "Ja, war aber auch ein schwieriges Encounter"

Völlig überrascht stellte ich fest, dass er mit der Prüfung weiter machte und mich abfragte:

"Was machst du, wenn ein Gepard der Gruppe gegenüber, die du gerade reinbringst, aggressives Verhalten zeigt, wie z.B. fauchen oder intensives anstarren?"

"Ich bringe die Gruppe unverzüglich wieder nach draußen."


"Was machst du wenn ein Gepard einen Besucher beißt und nicht mehr von ihm ablässt?"

"Der Handler ist für die Katze verantwortlich, ich bin für die Besucher verantwortlich. Ich versuche die Person zu beruhigen und sorge dafür, dass sie absolut still hält, notfalls zwinge ich sie dazu. Außerdem sorge ich dafür, dass der Rest der Gruppe zurückbleibt"

"Was, wenn du in so einem Fall einen Fotographen dabei hast?"

Das war der Punkt wo ich mir ncht sicher war, zuvor hatte ich die Handlerin genau das gefragt: kann ich den Fotographen anweisen, den Rest der Gruppe nach draußen zu bringen? Sie wusste es auch nicht sicher und meinte, vermutlich ist es besser, wenn das Tor zu bleibt.

"Äh ja, das war das worüber wir vorher noch geredet haben... ich kann den Fotographen anweisen mit dem Rest der Gruppe auf Abstand zu gehen und sie zu beruhigen"

"Du kannst sie auch mit ihm rausschicken, damit wir im Gehege möglichst wenig panische Leute haben, aber ok soweit passt alles"

Und damit war ich aufgesignt!!! Mandy, die anwesende Handlerin fragte mich nachdem Yogi wieder weg war, ob ich mich noch ein wenig zu Enigma setzen möchte (was für eine Frage) und gab mir noch ein paar Tips, vor allem, da ich mit Enigma noch nicht so viel Erfahrung hatte, weil die meisten Encounter mit Harris oder Joseph stattfinden.